Von Lustenau aus in die ganze Welt – 20 Jahre IDENTEC SOLUTIONS

Ölplattformen, Minen, Automobilkonzerne und Containerterminals setzen auf Know-how von „Identec Solutions“ – das Lustenauer Unternehmen hatte vor 20 Jahren damit angefangen, sich mit etwas zu beschäftigen, was man heute das „Internet der Dinge“ nennt.

Identec Solutions“ ist Marktführer für berührungslose Systeme zur Identifiezierung, Ortung, und Zustandserkennung von Personen und Objekten/ Produktionsmaterialien. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Lustenau entwickelt unter anderem Lösungen zur Ortung von Personen auf Ölplattformen oder in Minen. „Identec Solutions“ entwickelt Systeme zum Management von Kühlcontainern und zur Lokalisierung von Fahrzeugen und Materialwagen in der Automobilproduktion. Die Anwendung ist breit gefächert, das Grundsystem aber in allen Fällen dasselbe. „Es geht um Funkstrecken“, sagt Telematiker Dieter Bachmann, „typischerweise in einer eher robusten Umgebung“.

Ölplattformen
Schauen wir uns an, was das im Einzelfall heißt? Seit dem Jahr 1965 ist es weltweit zu mehr als 30 schweren Unglücksfällen auf Bohr- und Förderplattformen gekommen. Blowouts, Explosionen, Brände, Kollisionen, Monsterwellen oder andere Ursachen hatten zu den Katastrophen geführt. Im Dezember 2015 hatte ein schwerer Sturm in der Nordsee Arbeiter auf mehreren Ölplattformen im Meer gefährdet, einige Bohrinseln mussten evakuiert und hunderte Menschen in Sicherheit gebracht werden. Auf solchen Plattformen wird daher regelmäßig der Ernstfall simuliert, wird die Evakuierung geübt. Denn im Fall des Falles müssen entscheidende Fragen schnell geklärt sein: Wer hält sich in welchem Bereich auf? Wer ist besonders in Gefahr? Und wer ist bereits in Sicherheit? In welche Bereiche müssen Rettungskräfte zur Bergung geschickt werden und wohin nicht, weil sich dort keine Personen aufhalten? Zum Einsatz kommt da Know-how von „Identec Solutions“. Die in Lustenau entwickelte Lösung erfasst systematisch jeden einzelnen Menschen in dem Bereich, in dem er sich gerade aufhält. Dank der von den Vorarlbergern entwickelten Technologie wissen die Sicherheitsleute jederzeit, wen sie in welchem Bereich evakuieren müssen. Dieses Know-how kommt auf Bohrinseln, in Minen und in Tunnelbaustellen – aktuell beispielsweise auch im Brennerbasistunnel – zur Anwendung und ist dabei vom System her stets dasselbe: Wer eine Plattform betritt, in eine Mine oder eine Tunnelbaustelle eintritt, bekommt einen Transponder – einen Datenträger, etwa in Form einer Armbanduhr, einer Zutrittskarte oder eines Anhängers, je nach Bedarf des Kunden. Die Daten werden aufgezeichnet, sie sind in den Einsatzzentralen in Echtzeit zu sehen. Und wenn anderswo Datenerfassung als unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre kritisiert wird, ist es hier genau umgekehrt. „Jeder einzelne Arbeiter will, dass sein Name erfasst ist – weil damit garantiert ist, dass er im Ernstfall evakuiert werden kann“, erklärt Elektroniker Karl-Heinz Feierle. Die weltgrößte Kupfermine, in Chile, vertraut dieser Technik. In einer Mine in Schweden, im äußersten Norden des Landes, wird jede Nacht gesprengt, aber erst, wenn das System von „Identec Solutions“ anzeigt, dass sich im Gefahrenbereich niemand mehr aufhält und auch kein Fahrzeug dort abgestellt ist. „Unser System“, berichten Bachmann und Feierle, „muss sich dort jede Nacht beweisen. Und es beweist sich.“

In der Automobil-Industrie
Volkswagen, Audi, Daimler und BMW sind ebenfalls Kunden der Lustenauer Firma. Dort wird dieselbe Funktechnologie angewendet, nur in anderer Hardware. Dort bringt „Identec Solutions“ Ordnung ins System, indem jedes einzelne Auto, das vom Fertigungsband rollt, einen Datenträger erhält, mit dem das fertige und geparkte Fahrzeug auf den riesigen Firmenarealen am Stellplatz genau lokalisiert werden kann. Zum Einsatz kommt die Technologie aber auch in den Container-Terminals der weltgrößten Häfen, auf Container- Schiffen und im Schienenverkehr – genauer gesagt: bei Kühlcontainern, bei denen nur die Aufrechterhaltung einer bestimmten Atmosphäre (z.B. Temperatur, Luftstrom, Luftfeuchtigkeit) einen unbeschadeten Transport garantiert. APM-Terminals, eine Tochter der weltweit größten Reederei Maersk, errichtet aktuell in Moin, Costa Rica, ein riesiges Terminal – selbstredend mit Know-how aus Lustenau.

Eine Pionierleistung
Wie aber erfand „Identec Solutions“ dieses so vielfältig anwendbare, beeindruckende System? Ende der 1990er, als die Firma gegründet wurde, war Radio Frequency Identification – eine Form der kontaktlosen Kommunikationstechnik – ein Hype. „Verwendet wurde das damals allerdings nur bei Zutrittskarten mit einer geringen Reichweite“, berichtet Bachmann, „wir haben uns allerdings gefragt, welche zusätzlichen Anwendungen Von Lustenau aus in alle Welt es denn noch geben könnte, wenn man eine Batterie als Stromquelle zur Verfügung hätte.“ Bachmann, Feierle und andere bei „Identec Solutions“ machten sich ans‘ Werk, sie schufen die Grundlagen des heutigen Systems. Die Pioniere fingen vor 20 Jahren damit an, sich mit etwas zu beschäftigen, was man heute das „Internet der Dinge“ nennt. Die Transponder sind alle batteriebetrieben, dank ausgefeilter Technik bestimmt das Unternehmen heute, wie klein die Batterien dabei sein können, und bei keinem Produkt liegt die Lebensdauer der Batterie heute unter fünf Jahren. „Das neue Produkt“, berichtet Feierle, „soll zehn Jahre halten, der Prototyp ist momentan unsere neue Spielweise.“ Zehn Jahre? „Um das einschätzen zu können“, ergänzt Bachmann, „müssen die nur einmal daran denken, wie oft Sie ihr Handy laden müssen. “Jeden zweiten Tag? Jeden Tag oder doch eher mehrmals pro Tag?“

Weltmarktführer
Das Unternehmen hatte sich in den ersten zehn Jahren nach der Gründung 1999 übrigens darauf konzentriert, die Technologie zu entwickeln und mit Partnern an verschiedene Firmen zu verkaufen. „Erst nach zehn Jahren sind wir dazu übergegangen, den Kunden direkt Gesamtlösungen anzubieten, wir sind vom reinen Hardwareanbieter zum Lösungsanbieter aus Hardware, Software und Servicedienstleistungen über die gesamte Lebensdauer hinweg geworden.“ Warum der Schwenk? „Weil der Markt nicht schläft. Und wenn man nur Hardware liefert, ein anderer daraus aber Lösungen entwickelt, dann wird man als reiner Zulieferer schnell austauschbar.“ Die damaligen Überlegungen waren die richtigen. „Identec Solutions“ ist innerhalb von zwei Jahrzehnten zum Weltmarktführer geworden – von Vorarlberg aus.